Hinduismus

Lexikon der indischen Mythologie online


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Indra
01.03.2013 01:58

Indra („stark“, „mächtig“) ist der vedische Götterkönig, Himmelsgott, Regen-, Wetter-, Fruchtbarkeits- und Sturmgott, aber auch Kriegs- und Schöpfergott. Als Sohn der Göttin Aditi ist er auch ein wichtiger Aditya („Söhne der Aditi“/Hüter von Ordnung, Gesetz und Wahrheit und moralischen Prinzipien/Beschützer vor Übeln und Krankheit/eng mit der Sonne verbunden/ihnen sind die zwölf Sternzeichen sowie die zwölf Monate zugeordnet/Wächter der himmlischen Gestirne). Mit Agni (Feuergott) und Vayu (Gott von Wind, Luft und Lebenskraft) bildet er eine frühe Göttertriade. Indra ist der berühmteste Gott der vedischen Zeit. Er ist der in den Hymnen der Rigveda am häufigsten besungene und angerufene Gott. In der Veda sind über 250 Hymnen an ihn gerichtet. Indra herrschte über Svarga (Svarloka), einem Teil des indischen“Paradieses“ (ähnlich dem germanischen „Wikingerparadies“ Walhalla für gefallene Krieger), in den Wolken, die den Gipfel des Weltenberges Meru umgeben. Auf Indras Befehl konnte sich dieser Himmel überall hinbewegen, wo er hin wollte. In Svarga ist eine riesige Halle für im Kampf gefalle Krieger. Indra und seine Gemahlin Indrani regierten dieses „Krieger-Paradies“, Apsaras (himmlische „Nymphen“), tanzten, während die Gandharven („Halbgötter, „Fabelwesen“, „Engelswesen“, „Geistwesen“, „Fruchtbarkeitsgenien“) die Musik dazu machten. Von Svarga sandte Indra gelegentlich Apsaras aus, welche verführerisch vor Männern tanzen sollten, welche der Gott für zu asketisch hielt.

Indra werden viele Heldentaten zugeschrieben. Er ist bekannt als Streiter gegen die „Dämonen“. Daher führte er auch die Götter in der Schlacht gegen die Asuras („Dämonen“/“Titanen“/Todfeinde der vedischen Götter) an. Einige der vielen Mächte, die Indra angeblich bezwang, z.B. die Asuras, sollen heutigen Gelehrten zufolge die Draviden, die Ureinwohner Indiens, repräsentieren.

 

Indra und die Maruts

 

Indras Diener sind die 180 Maruts (auch Rudras genannt), Götter der wilden Winde und Söhne des vedischen Gottes Rudra. Sie begleiten Indra in den Kampf und dienen ihm bei Hofe. Sie trugen Blitzpfeile und Donnerkeile. Dem Rigveda, der heiligen Hymnensammlung der Hindus zufolge, besaßen sie goldene Helme und ebensolche Brustpanzer. Ihr Charakter ist aggressiv, unbändig und wild. Sie spalteten mit ihren Äxten die Wolken, um so für Regen zu sorgen. Daher identifizierte man die Maruts meist mit den Wolken selbst. Sie fällten Bäume, verursachten Schaden. Sie waren in der Lage Berge zu erschüttern und ganze Wälder zu zerstören. Die spätere Überlieferung machte sie zu Söhnen der Göttin Diti. Da Diti 100 Jahre lang schwanger bleiben wollte und ihre Nachkommen damit sehr mächtig machen wollte, zerschmetterte Indra ihren gewaltigen Bauch mit einem Donnerkeil, so dass ihre Söhne früher geboren wurden. Die Maruts werden auch als Brüder Indras vorgestellt. 

 

 Eigenschaften

 

Indra trägt zahlreiche dionysische Züge (auch viele Ähnlichkeiten mit germanischen Göttern wie Odin oder Thor). Indra ist ein mächtiger Gott und gewaltiger Held, der vor Kraft strotzt und wird als der mächtigste Esser und Trinker beschrieben. Er soll wild, riesig, schnell und kriegerisch sein. Er vermag den Soma, ein berauschendes Getränk in riesigen Mengen zu trinken. Diesem Trank verdankt er seine ungeheuren Kräfte. Wenn er vom Soma getrunken hatte, wurde er so riesig, dass er Himmel und Erde vollständig ausfüllte. Er wird als etwas begriffsstutzig und schwerfällig dargestellt und ist den sinnlichen Genüssen erlegen. Der Gott ist leicht angeberisch veranlagt und hört sich gerne reden, er ist recht gesellig. Indra verkörpert insgesamt die produktiven Kräfte der Natur.

 

Ikonographie

 

 

In der hinduistischen Kunst wird Indra golden oder rot dargestellt. Normalerweise wird er von seinen göttlichen Dienern begleitet, manchmal auch von seiner Hündin Sarama. Wenn er nicht zu Fuß unterwegs ist, reitet er entweder auf seinem himmlischen Elefanten Airavata oder auf einem weißen Pferd (die beide bei der Quirlung des Milchozeans hervorkamen). Oft wird er vierarmig, furchteinflößend und mit dickem Bauch dargestellt. Eine Hand hält einen Donnerkeil (Vajra/kreisförmige Waffe mit Loch in der Mitte), seine besondere Waffe, mit dem er entweder seine Feinde erschlägt oder seine gefallenen Krieger wieder zum Leben erweckt, die zweite führt einen Speer (Stachelstock), die dritte hält einen Köcher mit Pfeilen und die vierte hält ein Netz der Illusionen und einen Haken bereit, um Feinde zu fangen und straucheln zu lassen. Indras Bogen ist der Regenbogen.

 

Mythologie/Vritra

und Namuci

 

Er hat den Drachen Vritra („Dürre“/“Gewitterwolke“/“Versperrung“) getötet, den Panis, eine Schar von reichen, geizigen „Dämonen“ die Kühe weggenommen (welche den Göttern gestohlen worden waren/sie stehen für das Licht, das Indra den Menschen bringt) und „die Wasser befreit“ (danach gab er dem Chaos wieder Form, erschuf Leben und ließ die Sonne von neuem scheinen), die Vritra zurückhielt (so dass es eine große Dürre gab). Der Vritramythos wird daher auch als Schöpfungsmythos interpretiert. Was mit Letzterem gemeint ist, hat die Forschung noch nicht eindeutig klären können. Indra soll den „Dämonen“ Namuci getötet haben, nachdem ihm dieser den Soma gestohlen hatte. Indra kann zunächst Namuci nicht besiegen, und er verspricht, ihn weder bei Tag noch bei Nacht, weder mit etwas Trockenem noch mit etwas Flüssigem zu töten. Dann schlug er ihm aber in der Dämmerung mit Schaum das Haupt ab. Da dies dennoch wie ein „Vertragsbruch“ aussah, wird Indra durch ein Reinigungsopfer von dieser Sünde befreit.

(Die Legende berichtet, dass Indra, nicht Vishnu, den „Dämon“ Bali bekämpfte. Bali fiel in Indras Kampf gegen eine Horde „Dämonen“, angeführt von Jalamdhara. Dabei ergoss sich ein Strom von Edelsteinen aus seinem Mund. Der erstaunte Indra schlitzte Balis Körper auf und sah zu, wie aus diesem sämtliche Juwelen entstanden: Die Knochen wurden zu Diamanten, die Augen zu Saphiren, das Blut zu Rubinen, sein Mark zu Smaragden, sein Fleisch zu Bergkristall, seine Zunge zu Korallen und seine Zähne zu Perlen.)

(Im hinduistischem Epos Ramayana wird erzählt, wie Indra Ahalya verführte, die Frau des Weisen Gautama. Eines Tages, als er erfuhr, dass Gautama in einer anderen Stadt war, besuchte der verkleidete Gott Gautamas Frau. Ahalya erkannte Indra zwar sofort, willigte aber trotzdem ein, sich ihm hinzugeben, da sie neugierig war. Doch als Indra sie verließ, kehrte Gautama gerade zurück und erriet sofort, was geschehen war. Der Wunder wirkende Weise ließ zuerst Indras Hoden abfallen. Dann verfluchte er seine Frau, dass sie in der Asche liegen und sich von Luft ernähren musste, bis Rama sie erlösen würde. Die Götter ersetzten später Indras Hoden durch die eines Widders.

 

Verwandtschaft und

Herkunft

 

Indras Frau ist die Göttin Indrani, die Göttin von Zorn, Nörgelei und Eifersucht. Er gilt als Sohn der Göttin Aditi und daher als Aditya. Als solcher sind Agni und Surya seine Brüder. Als sein Sohn gilt der Held Arjuna (aus der Mahabharata) In einer anderen Version wurde er aus Himmel (Dyaus) und Erde (Prithivi) geboren, die er gleich nach der Geburt für immer trennt. Ein berühmter Mythos erzählt auch, wie er seinen eigenen Vater entmachtet, die alte Ordnung stürzt und die Herrschaft über die Welt an sich reißt.

 

Indra im rezenten

Hinduismus

 

Im späteren Hinduismus ist Indra den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva deutlich unterlegen und untergeordnet, er hat nur noch die Funktion eines Regengottes inne. Er wird als Büßer dargestellt, weil er den Brahmanen Vritra getötet hat und gilt als etwas schwerfällig und begriffsstutzig. Von den beliebteren neueren Göttern und Helden wird er im Kampf häufig besiegt. So wird er vom „Dämon“ Ravana besiegt und ist dem Krishna unterlegen.

(Als die Kuhhirten eines Tages dem Gott Indra huldigen wollten, meinte Krishna, genauso gut könnten sie den Berg Govardhana und ihre Herden anbeten, da der Berg ihre Herden und diese sie versorgten. Dann erklärte er, dass er selbst der Berg sei und ihm Anbetung gebühre. Der wütende Indra sandte daraufhin einen Sturm, doch Krishna riss einfach den Berg aus und hielt ihn sieben Tage und sieben Nächte über die Hirten und ihre Herde. Da erstaunte Indra so sehr, dass er vom Himmel herabstieg und Krishna bat, sich mit seinem Sohn, dem Helden Arjuna, anzufreunden.)

Indras Stürme sind also nicht mehr so mächtig wie zuvor. Er wurde zunehmens schwächer und musste immer wieder Vishnu um Hilfe bitten, wenn er von „Dämonen“ angegriffen wurde. Wenn jetzt die Geschichte mit Vritra erzählt wird, ist Indra mehr schwach und feige und braucht die Hilfe der neuen Hochgötter Shiva und Vishnu, um den Drachen zu erschlagen. Es wird beschrieben, dass Indra immer öfter den Soma trank, nicht um Kräfte zu sammeln, sondern nur um trunken zu sein.

Den Puranas zufolge bestehen Indras Hauptschwächen darin, seinen sinnlichen Gelüsten und dem berauschenden Somatrank übermäßig ergeben zu sein. Heutzutage gilt er nur noch als Lokapala (Wächter und Schützer der vier bzw. acht Himmelsrichtungen) des Ostens und vergöttlichter König, der über das Himmelsreich Svarga auf dem Berg Meru herrscht. Auch er findet in den großen Epen Indiens, dem Mahabharata und dem Ramayana regelmäßig Erwähnung. In der Mahabharata erscheint er zum Beispiel als Vater des Helden Arjuna, den er im Laufe des Epos immer wieder (im Exil) unterstützt. Im Gegensatz zu vielen anderen vedischen Göttern ging die Gestalt Indras nicht in neuere hinduistische Götter auf und es kam zu keiner Umwandlung der Identität.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kali
Ganesha

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