Hinduismus

Lexikon der indischen Mythologie online


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Annapurna
14.03.2013 07:30

Annapurna ({{SaS|अन्नपूर्णा|annapūrṇā}} „die an Nahrung Reiche“, dabei bedeutet anna „Nahrung“ und pūrṇa „gefüllt; voll von“), auch Vishalakshi genannt, ist eine hinduistische weibliche Gottheit, die als Göttin des Hauses, der Ernte, des Reises, des täglichen Brotes, des Kochens, des Überflusses und der Nahrung verehrt wird. Sie verleiht auch die Gabe des guten Kochens. Annapurna soll dafür Sorge tragen, dass niemand Hunger leidet. Sie gilt als eine Form der Muttergöttin Parvati und als Frau und Shakti Shivas. Sie wird als die Erhalterin des Wohlstandes angesehen.Es wird angenommen, dass derjenige, der die Mägen der Hungrigen mit Nahrung füllt, von den Kräften der Gottheit erfüllt ist. Im hinduistischen Glauben ist die Gottheit mit der Befugnis ausgestattet, Essen in unbegrenzter Menge zu liefern. Man glaubt, dass derjenige, der sie verehrt, niemals an Nahrungsknappheit im Leben leiden wird. Sie symbolisiert den göttlichen Aspekt der nährenden Pflege und der himmlischen Fürsorge. Die Gottheit wird auch, speziell in Südindien, wo sie sehr beliebt ist und wo ihr viele verschiedene Schreine gewidmet sind, als Göttin der Fruchtbarkeit, des Reichtums und der Landwirtschaft verehrt. Der berühmteste Tempel der Annapurna befindet sich in Kashi (auch Varanasi oder Benares genannt) in Indien. Neben ihrem Mann Shiva, der dort als Vishvanatha verehrt wird, gilt sie als Königin von Kashi. In Horanadu, das etwa 100 km westlich von Chikmagalur im südindischen Bundesstaat Karnataka liegt, befindet sich als weitere wichtige Kultstätte der Annapoorneshwari Temple. Annapurna ist die oberste Göttin und Königin von Kashi. Es heißt, dass sie selbst nichts isst, bis alle ihre Anhänger in ihrem dortigen Tempel mit ausreichend Nahrung versorgt sind. Annapurna wird auch Mutter der drei Welten (Triloka) genannt. In ihrer 108-Namen-Hyme wird sie neben der Spendung von Nahrung, auch mit Weisheit und Weltabgewandheit in Verbindung gebracht.

 

Ikonographie

 

Annapurna wird mit allerlei Schmuck und einem juwelenverzierten Topf, gefüllt mit Brei, in einer Hand und einer Pfanne oder einem Löffel in der anderen, um die Nahrung an ihre Verehrer zu verteilen, dargestellt. Die Göttin trägt Schmuck am Handgelenk. In einigen Darstellungen wird sie in Sitzhaltung und Shiva für gewöhnlich bettelnd mit einer Bettelschale in Form eines Schädels um Nahrung vor ihr dargestellt. Annapurna füllt seine Schale mit ihrem Löffel. Ihre Körperfarbe ist rot. Sie sitzt oftmals auf einem Thron oder Lotus (siehe Bild).

 

Mythologie

 

Eines Tages fand Shiva, der ein Bettelmönch war, nichts zu essen, so dass er hungrig war. Er wurde von allen nur abgewiesen. Er fragte den Weisen Narada nach der Ursache seines Hungers. Dieser sagte ihm, dass dies nur an seiner unglücklichen Frau liege. Eine glückliche Frau bringe ihrem Mann Glück. „Sieh dir Vishnu an! Er hat Devi Sri geheiratet und seitdem lebt er im Überfluss.“

Daraufhin begab sich der Weise wieder in seine Küche, wo er die hungernde Parvati sah, die dort in schwermütiger Stimmung dasaß. Sie fragte den alten Mann, warum sie zur Armut verdammt war.

Narada erklärte: „Das liegt nur an deinem Mann. Ein fähiger Gatte ernährt seine Familie, indem er genug Geld verdient. Sieh dir Devi Sri an! Seitdem sie mit Vishnu verheiratet ist, lebt sie wie im Himmel“.

Annapurna dachte darüber nach, und am nächsten Morgen, nachdem Shiva fortgegangen war, nahm sie ihre Kinder und verließ das Haus. Nachdem sie eine Weile gegangen war, erschien Narada und lehrte sie, wie sie die Leute überzeugen konnte, ihr zu essen zu geben.

Annapurna besuchte viele Familien, bekam von allen etwas zu essen und kam mit einem Korb voll Nahrung nach Hause. Als Shiva hungrig und mit leeren Händen heimkehrte, gab sie ihm bereitwillig zu essen, bis er satt war. Er war so dankbar, dass er sie umarmte, bis er mit ihr eins wurde. Diese Vereinigung vollkommener Liebe wird oft in Skulpturen dargestellt, die als Ardhanarishvara (halb Mann und halb Frau) bekannt sind.

Ein anderer sehr populärer Mythos erzählt folgendes:

Eines Tages spielten Shiva und Parvati ein Würfelspiel. Das Spiel wurde so interessant, dass dabei Wetten abgeschlossen wurden. Parvati setzte ihre Juwelen und Shiva seinen Dreizack. Shiva verlor das Spiel und damit seinen Dreizack. Um ihn wieder zu gewinnen, wettete Shiva diesmal seine Schlange und verlor abermals. Als das Spiel schließlich endete, verlor Shiva alles, was er hatte, auch seine Bettelschale.

Shiva zog sich gedemütigt in einen Wald zurück, wo sich ihm der Gott Vishnu näherte, der ihn fragte, ob er abermals spielen wolle, um alles zurückzugewinnen, was er verloren hatte.

Unter seinen Ratschlägen ließ sich Shiva darauf ein und gewann alles, was er im vorherigen Spiel verloren hatte, wieder zurück.

Doch die Göttin Parvati wurde misstrauisch über Shivas plötzliche Wendung seines Vermögens und nannte ihn einen Betrüger. Das führte zu einem verbalen Duell zwischen den Ehepartnern. Schließlich griff Vishnu ein und sagte, dass die Steine nach seinem Wunsch verschoben waren und sie nur unter der Illusion standen, dass sie spielten.

Symbolisch ist Leben wie ein Würfelspiel – unberechenbar und außer Kontrolle.

Das verbale Duell wandte sich bald in eine philosophische Diskussion um und Shiva sagte, dass Besitztümer nur vorübergehend sind. Alles sei Maya, auch die Nahrung, die wir essen sei Maya. Parvati war aber nicht einverstanden, dass Nahrung nur eine Illusion ist. Sie argumentierte, dass wenn Essen nur eine Illusion sei, sie auch nur eine Illusion ist. Sie wollte wissen, wie die Welt wäre, wenn sie ohne Nahrung überleben müsse und verschwand.

Ihr Verschwinden bedeutete den Stillstand der Natur. Es gab keine jahreszeitlichen Veränderungen mehr. Alles blieb unfruchtbar, es gab keine Regeneration und Geburt. Bald kam es zu schwerer Dürre und Nahrungsmittelknappheit.

Shiva erkannte bald, dass er unvollständig ohne Shakti war.

Götter, Menschen und „Dämonen“ bettelten um Nahrungsmittel. Die Göttin Parvati konnte nicht ertragen, wie ihre Kinder vor Hunger umkommen, und erschien in Kashi und begann die Verteilung von Lebensmitteln.

Shiva erschien vor ihr mit einer Bettelschale und Parvati fütterte ihn. Shiva sagte, dass die Nahrungsmittel nicht als bloße Illusion abgetan werden können und dass sie erforderlich sind um den Körper, der Atman in sich trägt zu nähren.

Seitdem wird Parvati als Annapurna, Göttin der Nahrung verehrt.

Der Mythos verdeutlicht, dass Moksha nicht ohne Nahrung erreicht werden kann.

 

Ritual und Verehrung

 

Annapurna wird in vielen hinduistischen Haushalten verehrt. Die Bilder der Annapurna sind in Küchen, Restaurants und in der Nähe des Abendbrottisches zu finden, wo das Essen zubereitet wird und man nur nach dem Aufstehen für die Segnung Annapurnas das Essen serviert. Wenn die Menschen in den hinduistischen Haushalten Speisereste wegwerfen, so glaubt man, dass dies ihren Zorn erregt. Deshalb werden Krümel von Lebensmitteln nicht nach dem Essen verschwendet. Die Göttin wird am vierten Tag der Durga-Navaratri verehrt. Während des Annakuta-("Speiseberg"-)Festes wird tatsächlich ein Berg von Speisen errichtet, der ihren Tempel ausfüllt. Während eines Festes im Frühling, das sie mit dem sprießenden Reis in Zusammenhang bringt, werden ihr Bildnis und ihr Tempel mit grünen Reissprossen geschmückt.

 

Bemerkungen

 

Der Berg Annapurna im Himalaya in Nepal trägt den Namen der Göttin.

 

 Literatur

 

* Swami Satyananda Saraswati, Annapurna Puja and Sahasranam (ISBN 18-87472-85-1)

 

 Weblinks

 

* [http://www.helium.com/items/581763-hinduism-characteristics-and-attributes-of-annapurna Beschreibung von Annapurna bei helium.com] (englisch), abgerufen 28. Dezember 2012

* http://www.studymode.com/essays/Goddess-Annapurna-1286013.html

* http://artedea.net/annapurna/

* http://festivals.igiftstoindia.com/goddesses/annapurna.html

* http://www.sanatansociety.org/hindu_gods_and_goddesses/annapurna.htm

* http://www.indianetzone.com/28/annapurna_deity.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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